12.05.2026

Radikalisierung junger Menschen in der Slowakei 3.0

In Bratislava fand am 6. und 7. Mai 2026 die internationale Konferenz „Radikalisierung junger Menschen in der Slowakei 3.0" statt, die von IPčko mit Unterstützung der Friedrich-Ebert-Stiftung Slowakei organisiert wurde. Die zweitägige Veranstaltung brachte Expertinnen und Experten aus der Slowakei und dem Ausland zusammen, um über die Ursachen der Radikalisierung junger Menschen, ihre Erscheinungsformen im Online- wie auch im Offline-Bereich sowie über Möglichkeiten einer wirksamen Prävention durch Bildung, psychosoziale Unterstützung und interdisziplinäre Zusammenarbeit zu diskutieren. Das Programm der Konferenz umfasste Fachvorträge, Podiumsdiskussionen sowie einen praxisorientierten Workshop zum Thema Prävention von gewaltbereitem Extremismus.

Der erste Konferenztag widmete sich den aktuellen Herausforderungen im Bereich der Radikalisierungsprävention aus Sicht staatlicher Institutionen. Bildungsminister Tomáš Drucker stellte geplante gesetzliche Maßnahmen zur Bekämpfung der Radikalisierung junger Menschen vor, während der Vorsitzende der Selbstverwaltungsregion Banská Bystrica, Ondrej Lunter, über die Erfahrungen mit den sogenannten SOS-Gruppen an Schulen berichtete. Polizeipräsidentin Jana Maškarová gab einen Überblick über die aktuelle Extremismuslage in der Slowakei. Weitere Beiträge befassten sich mit den Unterschieden zwischen Rechts- und Linksextremismus, Radikalisierung in digitalen Gaming-Communities, der Förderung von Dialog und kritischem Denken sowie den Herausforderungen hybrider Online-Sicherheitsräume. Ein begleitender Workshop widmete sich zudem dem Zusammenhang zwischen Misogynie und gewaltbereitem Extremismus.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf aktuellen Forschungsergebnissen und empirischen Daten. Andrea Ungvölgyi von der Orange-Stiftung präsentierte Erkenntnisse zum Einfluss des digitalen Raums auf Radikalisierungsprozesse junger Menschen, während Miriam Zsilleová von Ženy v meste Ergebnisse zu Einstellungen junger Menschen gegenüber Radikalisierung und Misogynie vorstellte. Die anschließende Diskussion machte deutlich, wie wichtig es ist, die Perspektiven junger Menschen ernst zu nehmen und ihnen Räume zu bieten, in denen sie sich gehört und respektiert fühlen. Internationale Expertinnen und Experten aus Großbritannien und Deutschland stellten darüber hinaus bewährte Ansätze zur Extremismusprävention vor, die auf Dialog, Medienkompetenz und der Arbeit mit digitalen Gemeinschaften basieren.

Der zweite Konferenztag rückte die psychosozialen Aspekte der Radikalisierung sowie internationale Erfahrungen in den Mittelpunkt. Martin Slosiarik präsentierte Ergebnisse einer Studie über die Nutzung sozialer Netzwerke durch Jugendliche und betonte, dass Verbote sozialer Medien allein keine nachhaltige Lösung darstellen. Lucia Košťálová sprach über die Rolle von Schulpsychologinnen und Schulpsychologen bei der frühzeitigen Erkennung von Radikalisierungsrisiken. Expertinnen aus Finnland und Dänemark erläuterten den Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit und Radikalisierung sowie den in Dänemark erfolgreich eingesetzten Info-House-Ansatz. Der österreichische Experte Nikolaus Grauszer ergänzte die Diskussion um internationale Perspektiven auf die Verwundbarkeit junger Menschen und neue Formen der Radikalisierung. Ema Brunovská stellte aktuelle Daten zur Präsenz junger Menschen in toxischen Online-Räumen vor.

Den Abschluss der Konferenz bildeten Diskussionen über Erfahrungen aus der praktischen Arbeit mit Jugendlichen. Vertreterinnen und Vertreter von IPčko, KASPIAN, Mládež ulice, der Selbstverwaltungsregion Banská Bystrica und weiterer Organisationen betonten die Bedeutung frühzeitiger Unterstützung, vertrauensvoller Beziehungen und sicherer Räume, in denen junge Menschen ernst genommen werden und Gehör finden. Die zentrale Botschaft der Konferenz lautete, dass eine wirksame Prävention von Radikalisierung nur durch das gemeinsame Engagement von Schulen, Fachkräften, staatlichen Institutionen und der Zivilgesellschaft gelingen kann – und dass sie auf dem Verständnis für die Lebensrealitäten junger Menschen beruhen muss, statt ausschließlich auf Kontrolle und Repression.

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