18.02.2022

Online-Diskussion: Kein Land für junge Leute! Meinungen und Einstellungen junger Leute in der Slowakei

Nur 68 % der jungen Menschen sind mit dem Leben in der Slowakei zufrieden. Dies ist ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren, als die Zufriedenheit der jungen Menschen bei etwa 75 % lag. Gleichzeitig glauben nur 20 % der jungen Menschen, dass die slowakische Gesellschaft eine bessere Zukunft hat, womit wir am Ende der befragten Länder liegen.

Zu den wichtigsten Faktoren, die die Meinungen und Einstellungen junger Menschen in der Slowakei beeinflussen, gehören der Zustand des Bildungswesens, der Arbeitsmarkt, die politische Vertretung und die Unterschiede zwischen den Generationen.

Bis zu 43 % der jungen Slowake*innen sind mit dem Bildungssystem unzufrieden, unter den V4-Ländern und den baltischen Staaten sind nur die Ungar*innen noch unzufriedener. Diese Unzufriedenheit rührt oft von persönlichen Erfahrungen mit der Korruption im slowakischen Bildungssystem her. Darüber hinaus zeigen die Leistungen der slowakischen Schülerinnen und Schüler einen Abwärtstrend, wie die Ergebnisse der PISA-Tests für den Zeitraum 2003-2018 belegen. Diese Ergebnisse weisen auf ein tiefliegendes Problem in unserem Bildungssystem hin. Der sehr niedrige Status der Lehrenden in der slowakischen Gesellschaft ist ebenfalls alarmierend. Nur 4,5 % der Lehrer*innen sind der Meinung, dass der Lehrberuf in der Gesellschaft respektiert wird; dies ist der niedrigste Wert in der gesamten EU.

Arbeitslosigkeit und der Einstieg in den Arbeitsmarkt sind drängende Probleme für junge Menschen. Seit der Finanzkrise, d. h. im Zeitraum 2011-2019, ist die Jugendarbeitslosigkeit in der Slowakei von allen untersuchten Ländern am höchsten. Die Slowakei hat auch die wenigsten jungen Menschen, die in jenem Bereich arbeiten, in dem sie studiert haben. Diese Diskrepanz ist darauf zurückzuführen, dass sich die jungen Menschen überqualifiziert fühlen (38 %). Nach den Erkenntnissen der Autorinnen und Autoren ist einer der Gründe dafür die marginale Erfahrung mit ehrenamtlicher Arbeit. Weniger als 47 % der jungen Menschen, die in einem akademischen Bereich arbeiten,  haben in der Vergangenheit einen Freiwilligendienst geleistet. Neben der Vermittlung von Fähigkeiten verschafft die Freiwilligentätigkeit jungen Menschen einen Wettbewerbsvorteil bei künftigen Vorstellungsgesprächen. Die meisten jungen Menschen arbeiten im öffentlichen Sektor (33 %), wobei nur 22 % von ihnen eine Tätigkeit in diesem Sektor überhaupt anstreben.

Bis zur Hälfte der befragten jungen Menschen fühlen sich politisch wenig oder gar nicht vertreten. Dieses Ergebnis ist das schlechteste unter den untersuchten Ländern und zeigt, ob und wie die Politiker die Bedürfnisse der jungen Menschen berücksichtigen. Viele von ihnen wissen nicht einmal, wie sie zwischen den zur Verfügung stehenden Parteien wählen sollen. 46 % der jungen Menschen haben heute keinen Vertreter oder Vertreterin in der Nationalversammlung. Sie erhalten nicht die politische Aufmerksamkeit, die sie sich wünschen. Dies gilt insbesondere für ethnische/nationale Parteien. Im Rahmen von COVID-19 ist das ohnehin geringe Vertrauen in Politiker*innen, politische Parteien und staatliche Institutionen weiter gesunken.

Ein seit langem bestehendes Paradoxon, das in der Studie erfasst wurde, ist das geringe Interesse an Politik und Gesellschaft. Dies sind die beiden Bereiche, an denen junge Menschen am wenigsten interessiert sind, da sie die individuelle Entwicklung über die gesellschaftliche Entwicklung stellen.

Die Aufzeichnung der Diskussions auf slowakisch finden Sie HIER

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