20.04.2026

Online-Diskussion: Ungarn nach den Wahlen – Analyse der Ergebnisse

Die FES SK organisierte in Zusammenarbeit mit der Slowakischen Gesellschaft für Außenpolitik (SFPA) und der Tageszeitung SME eine Diskussionsrunde zur Analyse der Wahlergebnisse, in der SFPA-Direktor Tomáš Strážay die entscheidende Niederlage von Viktor Orbán nach 16 Jahren an der Macht beleuchtete. Die Diskussion vom 14. April wurde von Eva Mihočková, Chefredakteurin des Portals Zahraničná politika, geleitet.

Laut Tomáš Strážay waren folgende Schlüsselfaktoren ausschlaggebend für den Ausgang der ungarischen Parlamentswahlen: Während die Tisza-Partei den Fokus auf die sinkende Lebensqualität, die Inflation sowie das kollabierende Gesundheits- und Bildungswesen legte, setzte die Regierungspartei Fidesz erfolglos auf das Schüren von Ängsten vor äußeren Bedrohungen wie Brüssel und der Ukraine. Hinzu kam eine allgegenwärtige Korruption, die zu einer tiefen gesellschaftlichen Frustration über das festgefahrene Regime führte. Strážay betonte, dass die neue Regierung trotz ihrer verfassungsgebenden Mehrheit keine Schauprozesse plant, sondern den Staat von Grund auf sanieren will. Zu den ersten Schritten gehören die Besetzung von Justiz- und Medienorganen mit Fachleuten sowie der rasche Beitritt zur Europäischen Staatsanwaltschaft, was die Freigabe der eingefrorenen EU-Gelder in Höhe von 20 Milliarden Euro beschleunigen soll.

Auf bilateraler Ebene prognostiziert der Analyst ein Ende der Politik des Totschweigens. Mit dem Amtsantritt von Magyar sei mit der Sprachebene über strittige Themen zu rechnen, darunter die Strafrechtsreform, die die Nachkriegsordnung infrage stellt, die doppelte Staatsbürgerschaft oder das ungelöste Wasserkraftwerk Gabčíkovo-Nagymaros. Für den slowakischen Premierminister Robert Fico bedeutet Orbáns Abgang den Verlust eines Schlüsselverbündeten im Europäischen Rat. Laut Strážay wird Fico mit seiner Rhetorik auf EU-Ebene isoliert bleiben, da er nicht über das politische Gewicht Orbáns verfügt. Sollte der Slowakei ein Verfahren (etwa nach Artikel 7) drohen, wäre sie nicht mehr durch ein ungarisches Veto geschützt. Die slowakische Diplomatie wird daher gezwungen sein, von markigen Worten zu einem pragmatischen Dialog überzugehen.

Péter Magyar kündigte noch in der Wahlnacht an, die V4-Gruppe wiederbeleben zu wollen. Seine erste Auslandsreise wird symbolisch nicht nach Bratislava oder Prag, sondern nach Warschau zu Donald Tusk führen. Strážay erklärte, dass Magyars V4-Konzept die von Orbán und Fico forcierte Idee einer „mitteleuropäischen Festung“, die EU-Prozesse lediglich blockiert, ablehnt. Er will das Format in einen konstruktiven Partner verwandeln, der der EU einen Mehrwert in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung bringt. Obwohl die Tisza-Partei in ihrem Programm weiterhin direkte Militärhilfe für die Ukraine sowie deren beschleunigten EU-Beitritt ablehnt, wird Magyar – im Gegensatz zu seinem Vorgänger – Finanzhilfen auf europäischer Ebene nicht blockieren.

Das vollständige Gespräch finden Sie HIER

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