20.08.2026

Online-Diskussion: Wie wurde der Krieg zum Geschäft?

Krieg ist längst nicht mehr allein Sache von Armeen und Staaten. Die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten zeigen, dass bei der Führung militärischer Operationen zunehmend auch private Unternehmen eine bedeutende Rolle spielen. Genau diesem Wandel widmete sich die Diskussion „Wie wurde der Krieg zum Geschäft?”, die am 17. August 2026 stattfand. Zu Gast war Jozef Bátora, Professor für Politikwissenschaft und Mitglied der Norwegischen Akademie der Wissenschaften. Das Gespräch moderierte Eva Mihočková, Chefredakteurin des Portals Zahraničná politika. Die Veranstaltung wurde von der SFPA und der FES in Zusammenarbeit mit der Tageszeitung SME und der Paneuropäischen Hochschule organisiert.

Eines der Hauptthemen war die sich wandelnde Rolle privater Akteure in bewaffneten Konflikten. Moderne Staaten verlassen sich bei der Führung militärischer Operationen immer stärker auf kommerzielle Dienstleistungen, Technologien und Fachkompetenzen, ohne die es schwierig wäre, den Betrieb der Streitkräfte im heutigen Umfang sicherzustellen. Dieser Trend zeigt sich auch im historischen Vergleich der amerikanischen Militäreinsätze im Nahen Osten: Während 1991 bei der Operation Wüstensturm auf rund 520.000 amerikanische Soldaten etwa 5.200 private Vertragspartner kamen, entsprach die Zahl der privaten Auftragnehmer in den späteren Konflikten in Afghanistan und im Irak zeitweise der Zahl der amerikanischen Soldaten. Der Krieg wird somit nicht nur zu einem Instrument politischer und militärischer Macht, sondern auch zu einem Feld, auf dem private Unternehmen immer wichtigere Dienstleistungen erbringen.

Die wachsende Beteiligung privater Firmen wirft zugleich Fragen der demokratischen Kontrolle, der Verantwortlichkeit und der Transparenz auf. Wenn Staaten bei der Gewährleistung ihrer Verteidigung einen Teil der Aufgaben an kommerzielle Akteure auslagern, ist es wichtig zu untersuchen, wer über deren Einsatz entscheidet, wie ihre Tätigkeit kontrolliert wird und welche Folgen dieses Modell für das öffentliche Interesse hat. Die Kommerzialisierung des Krieges ist daher nicht bloß eine wirtschaftliche Frage. Sie greift auch in das Funktionieren des Staates, in die Ausübung militärischer Macht und in die Fähigkeit demokratischer Institutionen ein, die Sicherheitspolitik zu überwachen.

Besondere Aufmerksamkeit widmete die Diskussion der Ukraine und ihrem Platz in der künftigen Sicherheitsarchitektur Europas. Die praktische militärische Zusammenarbeit der Ukraine mit ihren europäischen Partnern wird zu einem wichtigen Bestandteil der Überlegungen zur künftigen Verteidigung des Kontinents. Die Erfahrungen aus den laufenden Konflikten zeigen, dass die europäische Sicherheit nicht nur von den Fähigkeiten der nationalen Armeen abhängen wird, sondern auch von der Koordination der Verbündeten, der technologischen Entwicklung und der Zusammenarbeit mit dem Privatsektor. Die Diskussion warf die grundsätzlichere Frage auf, wie sichergestellt werden kann, dass sich die veränderte Gestalt des Krieges in einer wirksamen, verantwortungsvollen und demokratisch kontrollierten Sicherheitspolitik Europas niederschlägt.

Die vollständige Diskussion auf Slowakisch finden Sie HIER

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