06.02.2026

Environmentelles Lebensminimum für die Slowakei - Ein neuer Zugang zur Umweltgerechtigkeit

Environmentelles Lebensminimum definiert Mindeststandard für ein gesundes und menschenwürdiges Leben in Zeiten des Klimawandels.

In Kooperation mit der Klimatischen koalition hat die FES-SK die Erarbeitung  des Policy-Konzepts eines Environmentellen Lebensminumums (EZM) initiiert und koordiniert. Dieses wurde im Laufe des Jahres durch eine 9-köpfige Arbeitsgruppe erarbeitet unter der Führung der Soziologin Zuzana Fialova.

Im Herbst 2025 wurde das Konzept unterschiedlichen Expert:innen und Stakeholdern im Rahmen eines Workshops vorgestellt. In anregenden Debatten wurden verschiedene soziale, politische und ökologische Bereiche beleuchtet, die für die Erstellung des EZM von Nöten sind. Wissenschaftler:innen aus allen Bereichen, von Soziologie bis Medizin, kamen zusammen, um einen sozial-ökologischen Kompass für die Slowakei zu erstellen.  

Unter anderem wurden mit ausländischen Gästen Vorschläge und Erfahrungen mit klima- und sozialgerechter Raumplanung und Policy-Entwicklung aus Berlin und Wien diskutiert. Das Konzept des Environmentellen Lebensminimums wird im Jahr 2026 mit diversen Stakeholdern, Institutionen und politischen Entscheidungsträger:innen diskuttiert, um es in die Praxis in legislativer und exekutiver Form durch Organe des Staates, Regionen und Munizipalitäten einzuführen.

Der EZM ist kein teurer Luxus, sondern ein Grundrecht. Saubere Luft, ausreichendes Trinkwasser sowie unversuchte Böden und sichere Lebensmittel sind keine Themen, die von der Politik ignoriert werden dürfen. Dazu gehört auch der Schultz vor Wetterextremen wie beispielsweise Dürren oder Überschwemmungen. Dieses Recht ist zwar fest in der slowakischen Verfassung verankert siehe Art. 44 „Jeder hat das Recht auf eine günstige Umwelt“, jedoch können zehntausende, wenn nicht sogar hunderttausende Bürger dieses recht nicht ausüben und sind davon abgeschnitten.  

5.000 Menschen sterben jährlich aufgrund der hohen Luftverschmutzung in der Slowakei. Weitere halbe Millionen Menschen haben keinen gesicherten Zugang zu sauberem Trinkwasser und etwa 40% der Haushalte in Armut hat ernsthafte Probleme damit vollwertige Lebensmittel auf den Tisch zu bringen. Dazu kommt das 19 % der Haushalte keine ausreichende Heizung haben. Dürren mögen fern erscheinen doch bereits 23 % der Landesfläche der Slowakei befinden sich in einer Zone extremer Trockenheit. Unter den folgen großer Hitze im Sommer leiden vor allem ältere Menschen. Für sie ist die Hitze, neben den Jüngsten und den Angehörigen ethnischer Minderheiten in unsere Gesellschaft, besonders gefährlich. Hinzu kommt, dass im Süden des Landes bereits jetzt viele Brunnen versiegen. Zunehmende Trockenheit nimmt auch den Bauern die wirtschaftliche Grundlage und gefährdet die Kornkammer unseres Landes.  

Es ist erwiesen, dass die Folgen des Klimawandels – Dürren, Hitzewellen, Überschwemmungen, Luftverschmutzung– diejenigen Menschen am stärksten treffen, die bereits heute um ein menschenwürdiges Leben kämpfen. Sie leben in gesundheitlich bedenklichen Gegenden, sind bereits generell größeren Risiken ausgesetzt und haben nicht genug Geld, um sich im Katastrophenfall selbst zu schützen.

Die Klimakrise verschärft die soziale Ungleichheit. Fehlende Investitionen heute, führen zu hohen Ausgaben und Gefährdung des sozialen Friedens im Morgen. Das sieht man vor allem am Gesundheitswesen: Die Behandlung von durch Umweltverschmutzung verursachten Krankheiten kostet den Staatshaushalt jährlich Hunderte Millionen Euro. Investitionen in Grünflächen, öffentlichen Nahverkehr sowie Maßnahmen gegen Luftverschmutzung zahlen sich immer aus – sie sparen dem Gesundheitswesen ein Vielfaches dessen, was sie kosten.

Wir arbeiten daran, dass das EZM und seine Anliegen auch Anklang bei breiterer Öffentlichkeit findet. Hierfür konnten wir es schaffen, es auch in medialne Formaten und Portalen es vorzustellen: 

Interwievs zum Environmentellen Lebensminimum: (auf slowakisch)

Kämpfen wir für Trinkwasser, saubere Luft, eine gesunde Umwelt, das Leben von Tausenden? (Z.Fialová, A.Figulová): zurnal.pravda.sk/rozhovory/clanok/782088-zabojujeme-o-pitnu-vodu-cisty-vzduch-zdrave-prostredie-zivoty-tisicov/

Die Soziologin Zuzana Fialová: „Der fossile Kapitalismus wird uns weder eine gesunde Umwelt noch ein würdevolles Leben bringen.“ kapital-noviny.sk/sociologicka-zuzana-fialova-rozhovor/

Klimatische Veränderungen können zu Kriegen führen, stellt Soziologin Zuzana Fialova fest
www.youtube.com/watch

Sind wir imstande (nicht nur) die Klimakrise zu lösen? plus.noviny.sk/24podcast/1132203-sme-schopni-zvladat-nielen-klimaticku-krizu

Materialien zum Environmentellen Lebensminimum: (auf slowakisch)

Infographik: www.facebook.com/photo

Zusammenfassung des Konzeptes: klimatickakoalicia.sk/wp-content/uploads/2025/09/Environmentalne-zivotne-minimum_zrhnutie.pdf
 

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